Kräuter richtig sammeln, trocknen und aufbewahren

Beitrag vom 30 Jun, 2020

Von Zdenka Hanakova

Kräuter richtig sammeln, trocknen und aufbewahren

Bestimmen

Noch bevor du los machst, verschaffe dir erstmal einen Überblick, welche Kräuter zurzeit wachsen und ob der richtige Sammelzeitpunkt ist. Es gibt viele Sammelkalender oder Kräuterbücher, in denen du dich informieren kannst. Wenn du Anfänger bist und nicht mit Sicherheit die gesammelten Pflanzen erkennst, ist es hilfreich in Bestimmungsbücher nachzuschauen, um die Merkmale gut kennenzulernen. Du kannst sogar ein Bestimmungsbuch mitzunehmen, wenn du dir vor Ort doch noch unsicher sein solltest. Hilfreich kann auch spezielle Pflanzenbestimmungs-App sein. In der Natur kannst du dann die Pflanze richtig beobachten, malen oder sogar beschreiben. So erkennst du die Pflanze beim nächsten Mal ohne Zweifel. Beachte nur, dass zwar nicht alle Heilkräuter giftige Doppelgänger haben, manche aber schon. Wenn du dir nicht sicher bist, lass die Pflanze lieber stehen oder frag bei Experten. Es kann auch sehr hilfreich sein, an einer geführten Kräuterwanderung teilzunehmen, um die Pflanzen an ihrem natürlichen Standort kennenzulernen, bevor du mit Sammeln allein loslegst.

Sammeln

Die Ausstattung für Sammeln ist übersichtlich und einfach: Pflanzenbestimmungsbuch, Lupe, scharfes Messer oder Schere, Wurzelstecher oder Schaufel (wenn du Wurzel sammeln möchtest), eventuell Handschuhe und Transportbehälter (z. B. Papiertüten oder Weidekörbe), so dass du die Pflanzen luftig und ohne Quetschen transportieren kannst.

Für den privaten Gebrauch kannst du überall in freier Natur sammeln, das erlaubt auch das Bundesnaturschutzgesetz. Die Menge soll verhältnismäßig sein, dass bedeutet pro Person ein Körbchen oder Handstrauß. In den Naturschutzgebieten gilt allerdings absolutes Sammelverbot. Wenn du dich auf fremden Flächen bewegst, achte darauf, dass entweder der Eigentümer informiert ist oder dass du dich an der Wiese achtsam bewegst und nicht das hohe Gras niedertrittst. Um den Pflanzen an dem Standort einem Fortbestand zu ermöglichen, für die Insekten aber auch andere Sammler, lass immer ein Teil stehen und ernte an anderer Stelle weiter.

Bei Sammeln verschiedenen Heilpflanzen ist es hilfreich, sie nach Arten zu trennen. Sammle fern von Hundespazierwegen, Autoverkehr und nicht auf gegüllten, gedüngten oder gespritzten Flächen.

Das der beste Zeitpunkt fürs Sammeln wichtig ist, habe ich schon erwähnt. Viele Kräutersorten entwickeln vor ihrer eigentlichen Blütephase das beste Aroma. Die Ausbildung der Blüten sowie die Bildung der späteren Früchte sind für die Pflanzen allerdings anstrengend, wodurch weniger Inhaltsstoffe gebildet werden. Hierfür sind zum Beispiel Oregano, Dill, Basilikum oder Schnittlauch bekannt. Es liegt also nahe, dass diese Kräuter kurz vor der Blüte gesammelt werden sollen. Wann man andere Pflanzenteile am bestens sammelt, wie zum Beispiel Blüten, Samen, Wurzeln oder Rinde, findest du immer im Heilkräutersteckbrief.

Allgemein gilt, dass die Kräuter am besten an einem regenfreien Vormittag gepflückt werden sollen. Achte darauf, dass sie wenigsten ein oder zwei Tage Sonnenlicht vor der Ernte gesehen haben. In den Abend- und Nachtstunden sowie an regnerischen Tagen ist das Aroma der Kräuter am geringsten und sie neigen beim Trocken zu schimmeln.

Trocknen

Nicht jedes Kraut eignet sich für das Trocknen, wie z. B. kleiner Wiesenknopf (auch Pimpinelle genannt), Borretsch, Weinraute oder Sauerampfer. Sie verlieren vollständig ihr Aroma und sind deshalb am besten frisch zum Verzehrt geeignet. Andere lassen sich nicht trocken, dafür aber tieffrieren, in Essig konservieren oder in einem Kräuteröl verarbeiten. Einige wenige Kräuter gewinnen durch das Trocknen sogar an Geschmack und Aroma dazu.

Trotzdem ist das Trocknen, die einfachste und beliebteste Methode, wie du deine Kräuter für den Winter oder spätere Verwendung konservieren kannst. Damit die Kräuter möglichst viele wertvolle Inhaltstoffe behalten und lange haltbar bleiben, solltest du einiges beachten:

Das Trocknen sollte möglichst schonend und ohne Verluste an wertvollen Inhaltstoffen ablaufen.

Wenn du deine Kräuter trocknen willst, sollst du darauf verzichten diese zu waschen. Dadurch verlieren sie indirekt wieder an Qualität, da es den Trocknungsvorgang deutlich verzögert. Nach dem Ernten sollst du die Kräuter jedoch gut durch Schütteln vom Staub und Insekten befreien. Hierfür kannst du beispielsweise ein Sieb verwenden.

Trockne deine Kräuter am besten, ohne sie zu zerkleinern. Jede Zerkleinerung verletzt die Zellstruktur, wodurch die ätherischen Öle und weiteren Inhaltsstoffe austreten können.

Nach der Grundreinigung kann also los gehen. Lass die Kräuter nie in der vollen Sonne trocknen, sondern an einem warmen, trockenen, schattigen und gut belüftenden Platz. Dazu kannst du sie entweder in kleinen Bündeln aufhängen oder in Weidekörben, Netzen oder alten Gardinen trocknen. Für die Kräuterbündel verwende am besten stabiles Naturgarn. Die Bündel sollen kopfüber und locker nebeneinander gehängt werden. Ideale Orte zum Trocknen sind überdachte Gartenhäuser, Dachböden, kleinere Speicher oder Trockenräume. Idealerweise sollte die Trocknungszeit nicht länger als 3 bis 4 Tage dauern.

Für das Trocken von Pflanzenteilen wie Wurzeln, empfehle ich dir am besten Dörrautomat. Optimal sind eher niedrige Temperaturen zwischen 30 und 45 °C, da sonst die enthaltenen ätherischen Öle und damit das Aroma sonst schnell verloren gehen. Bei der Pfefferminze, zum Beispiel, gehen im Durchschnitt etwa 4 bis 6 % der Öle verloren, wenn die Trockentemperatur 45 °C beträgt.

Der Backofen kann aber genauso zum Trockner umfunktioniert werden. Zerkleinere erstmal die gewünschten Kräuter und breite sie auf einem Backblech mit Backpapier aus. Das Backblech soll nicht zu voll sein. Bei niedrigster Temperatur, mit Holzlöffel in die Tür geklemmt (damit die Feuchtigkeit entweichen kann), lass sie etwa 3 Stunden trocknen.

Im Übergangzeit ist auch den Heizkörper eine gute Möglichkeit.

Die Kräuter sind trocken, wenn sie leicht brechen und die Blätter beim Berühren knistern.

Aufbewahren

Wenn die Kräuter trocken sind, bewahre sie in großen Schraubgläsern auf. Papier- oder Leinentüten kann ich dir aus eigener Erfahrung nicht empfehlen. Bei höherer Luftfeuchtigkeit neigen die Kräuter feucht zu sein und fangen zu schimmeln. Vermeide bei Befüllen der Glasgefäße zu starker Dichte, stopfe die Pflanzen nicht rein. Schüttle die Gläser ab und zu gut durch.

Beschrifte sorgfältig jedes Glas und vermerke auch das Datum, damit du die Haltbarkeit nicht aus dem Auge verlierst.

Lagere sie am besten vor Licht geschützt, kühl und trocken – andernfalls verdampfen die flüchtigen Inhaltsstoffe frühzeitig und Mikroorganismen könnten sich festsetzen. Ideal sind braun getönte, fest verschließbare Glasbehälter oder Weißblechdosen. Oder sperr sie einfach in einen Schrank ein. Gut gelagert lassen sich die Heilkräuter bis zu einem Jahr ohne Wirkungsverlust aufbewahren.

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